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Der Burgstall bei Ebermannstadt

Der Ebermannstädter Burgstall stellt den hervorragenden Typus eines Turmhügels des elften Jahrhunderts dar. Die Gesamtanlage ist als Bodendenkmal in exponierter Lage auf der Jurahöhe westlich über Ebermannstadt von beeindruckender Attraktivität und Größe und zählt damit auch zu den mächtigsten Turmhügelburgen überhaupt.

Zu beachten ist, dass der Begriff "Burgstall" irritierend sein kann und an Stallungen erinnern lässt. Dies ist allerdings nicht gemeint, sondern beschreibt den ehemaligen Standort einer Burganlage, die nunmehr weitgehend eingeebnet ist und sich nur noch anhand der Geländestrukturen erahnen lässt. Synonym ließe sich auch der Begriff "Burgstelle" verwenden.

Blick auf Ebermannstadt und den Burgstall
Blick auf Ebermannstadt und den Burgstall    (Foto: Toni Eckert)

Die einstige Burganlage bei Ebermannstadt besitzt eine Gesamtfläche von etwa 2,5 Hektar. Das Hügelplateau selbst misst über 30 Meter im Durchmesser und die Vorburg, die den Hügel vollständig umschließt, hat mit 120 Metern auf 100 Metern eine stolze Größe. Der Außenwall der Wehranlage zeichnet sich ebenso wie der ovale Kernhügel im Gelände ab und präsentiert sich somit als Turmhügelburg oder Motte des elften Jahrhunderts. Dieser Burgentypus folgt den ottonischen Fliehburgen des 10. Jahrhunderts. Der Außenwall umgibt hufeisenförmig in einem durchschnittlichen Abstand von 22 Metern den fünf Meter hohen ovalen Kernhügel mit planierter Oberfläche.

Blick auf den Turmhügel
Blick auf den Turmhügel   (Foto: Toni Eckert)

Die Kalkfelsen des Jura bildeten hervorragende Möglichkeiten um auf ihnen wehrhafte,  aber auch repräsentative Gebäude zu errichten. Diese ältesten Höhenburgen wurden errichtet, weil sich Adelsfehden häuften und externe Bedrohungen zunahmen. Palisaden und Wassergraben, die Behausungen in Hoflage umgaben, reichten als Schutz nicht mehr aus. In vielen Fällen wurde die nur schwer zu verteidigende Wohnung im Hofbereich verlassen, um auf die schützende Höhe umzuziehen, wo vielleicht schon ein Turm zum Rückzug in Krisenzeiten vorhanden war. Hinzu kamen Gründe der Repräsentation und des sozialen Überlegenheitsgefühles der Adelssippen.  Bisher eher als zivil einzustufende Bautypen wurden zunehmend von militärisch-repräsentativen Typen abgelöst. Dies wurde mit verschiedenen Methoden erreicht. Einerseits durch die Errichtung hoher, wehrhafter Türme, andererseits durch das Aufschütten von gewaltigen Erdmassen zu kegelförmigen Hügeln, sog. Motten. Dies gilt in beiden Fällen für die Anlage bei Ebermannstadt. Die darauf errichteten salierzeitlichen Türme konnten beachtliche Maße erreichen. Grundrisse bis 15 Metern Seitenlänge sind keine Seltenheit.

Die Motten besaßen oft eine oder mehrere Vorburgen. Motten wurden häufig auf flacher Erde errichtet. Gelegentlich benutzte man auch eine natürliche Geländekuppe als Grundlage, oder man steilte eine vorhandene Geländeerhebung ab. Anschließend wurden Bauten auf der Motte errichtet oder auch bereits stehende Gebäude eingemottet. Diese 5 bis 10 Meter hohen Erhebungen versprachen eine effizientere Verteidigungsstrategie. Wurfmaschinen und Bliden konnten kaum direkt an die Umwehrung angesetzt werden. Motten und Wohntürme können als charakteristische, adelsspezifische Architekturtypen betrachtet werden, die den bis dahin wenig charakteristischen Erscheinungstypus von Burgen grundlegend verändert haben.

Die Umschließung der Hauptburg durch die Vorburg ist für die Burgen der Salierzeit (1024 - 1125) typisch, später rücken die Hauptburgen an die Spornspitze (z. B. Schlüsselstein). Während in der Hauptburg steinerne Gebäude mit dem Wohnturm dominierten, fanden sich in der Vorburg Wirtschafts- und Wohngebäude aus Holz und Stein. Die Dächer der Gebäude waren wohl aus weniger leicht entzündlichem Material wie Ziegeln, Stein oder Blech. Insgesamt machte die Vorburg den Eindruck eines großen Bauernhofes. Die Hauptburg war ein Zentrum des höfischen Lebens. Neben dem mächtigen Wohnturm sind heizbare Wohn- und Badehäuser für den Winter, neben einer Burgkapelle hier vorstellbar. Die Bauzeit der Ebermannstadter Anlage, die Epoche des Investiturstreits, war ein Zeitalter des Umbruchs. Die Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst gipfeln im Gang Heinrichs IV. nach Canossa 1077. Der Kreuzzugsgedanke entsteht und verbreitet sich massiv. Die höfische Kultur mit ihren Minnesängern, Festen und Turnieren erreicht ihre Blütezeit. Mit den durchziehenden Sängern und Rittern verbreiteten sich die Nachrichten aus aller Welt bis nach Ebermannstadt.

Drei Schautafeln stehen zur Erklärung und Information für Sie bereit. 

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